Afghanistan

Afghanistan, ein Land mit unberührter Natur und der Schönheit des Hindukusch-Gebirges, ist gezeichnet von jahrzehntelanger Okkupation und Bürgerkrieg. Noch immer ist die Lage in vielen Landesteilen unsicher, auch Afghanistan leidet unter Korruption, schwacher Regierungskapazität und ungenügender Infrastruktur. Die rapide Urbanisierung, Waldrodung und Bodenerosion erschweren den Zugang zu Frischwasser, gerade in Städten wird ungereinigtes Abwasser immer mehr zu einem Problem. In Kabul gibt es nur eine Kläranlage für 60.000 der mittlerweile 5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner.Die Trinkwasserversorgung hängt wesentlich von einer Vielzahl flachgründiger Brunnen ab, die mittlerweile flächendeckend kontaminiert sind. So verzeichnet Afghanistan, mit einem Bevölkerungsanteil von 60 % unter 24 Jahren, die weltweit höchste Kindersterblichkeitsrate.

Um die öffentliche Gesundheit und den nachhaltigen Schutz natürlicher Ressourcen zu gewährleisten, besteht daher die Herausforderung im Aufbau entsprechender Kapazitäten zur öffentlichen Daseinsvorsorge.

Seit 2011 unterstützt BORDA mit Projektbüros in Kabul und Herat die sanitäre Grundversorgung und dezentrale Abwasserreinigung im Norden, Westen und Osten Afghanistans. Mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fördert BORDA Lernprojekte, duale Berufsbildungskonzepte und Trainingsmaßnahmen zum Betrieb dezentraler Abwasserbehandlungsanlagen. Im Fokus stehen lokale Entscheidungsträgerinnen und -träger, Kleinunternehmen sowie Handwerksbetriebe.

BORDA arbeitet eng mit den zuständigen Behörden wie dem Ministerium für Stadtentwicklung, dem nationalen Umweltamt und den afghanischen Versorgungsunternehmen für Wasser und Abwasser zusammen. Mit Hilfe lokaler NGOs und Bildungsinstituten wie Afghanistan Schulen und der Kinderhilfe Afghanistan organisiert BORDA Schulprojekte zu den Themen Gesundheit und Hygiene. Seit Frühjahr 2014 wird die Planung und Bemessung dezentraler Abwasserbehandlungssysteme nach dem DEWATS-Ansatz im regulären Ingenieur-Kurrikulum des Afghan Technical Vocational Institute (ATVI) gelehrt. Hierfür haben BORDA und CDD Society in Indien Unterrichtsmaterialien erarbeitet und die Lehrkräfte des ATVI fortgebildet.

Um die Verbreitung dezentraler Abwassersysteme zu regulieren, erarbeiten BORDA und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GiZ) derzeit entsprechende Qualitätsstandards im Rahmen der Entwicklung einer nationalen Abwasserverordnung.

Ein Ansatz für den ländlichen Raum besteht in der Fortbildung lokaler Handwerksbetriebe in der Planung, dem Bau und Betrieb von Biogasanlagen – welche in den Städten bereits als Teil der dezentralen Abwasserbehandlung eingeführt wurden.Durch die Nutzung organischer Abfälle zur Energiegewinnung bilden sie die Grundlage grüner Wertschöpfungszentren als praktische Umsetzung des Nexus-Ansatzes „Wasser-Energie-Nahrungssicherheit“.

Als ersten Schritt hat BORDA im Sommer 2014 mit der deutschen NGO ‚Help’ das ‚Biogas Consortium’ gegründet. Alle technischen und sozialen Erfahrungen werden über das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) an die Regierung übertragen und auch in neue staatliche Richtlinien aufgenommen. UNEP hat für das Konsortium die Schirmherrschaft übernommen.

Autonome Region Kurdistan

Im vierten Jahr des Syrienkonfliktes wird die Zahl der Menschen, deren Familien vor dem Krieg aus ihrer Heimat geflohen sind auf über 9 Millionen geschätzt. 6-7 Millionen Syrerinnen und Syrer sind innerhalb der Landesgrenzen geflohen, 3 Millionen Menschen haben Zuflucht in Nachbarländern gefunden. Aktuell befinden sich 224 000 Syrerinnen und Syrer im Irak, fast 40% von ihnen sind Kinder. Aufgrund von örtlicher Nähe, Sprache, Sicherheitsaspekten und ökonomischen Faktoren halten sich die meisten in den drei Regierungsbezirken Duhok, Erbil, and Sulaymaniyah der Region Kurdistan auf.

Als Antwort auf die steigende Zahl der syrischen Geflüchteten im Irak begann BORDA die Arbeit im Oktober 2014 im Bereich Wissenstransfer zu sanitärer Grundversorgung und Umsetzung von Projekten zur Abwasserbehandlung in den Flüchtlingslagern und den umliegenden Gemeinden, die Geflüchtete aufgenommen haben. Außerdem ist es BORDA durch das Projektbüro im Irak möglich, aktiver und flexibler mit humanitären Hilfsorganisationen, UNCHR, UNICEF und regionalen NROs zusammen zu arbeiten.

Die Arbeit in einer solchen Situation beinhaltet viele Herausforderungen, um bedarfsgerecht auf die Grundbedürfnisse der Geflüchteten eingehen zu können. Dazu gehören auch die Sicherheitslage im Irak, die unbekannte Dauer der aktuellen Situation, die Anpassung an Änderungen und Erweiterung der Lager und der Umgang mit den Bedürfnissen der Flüchtlinge und derer der örtlichen Bevölkerung, besonders, wenn Infrastruktur und Land für die Lager benötigt werden. Ein weiterer Faktor ist der Anspruch an die schnelle Handlungsfähigkeit aufgrund der dramatischen Situation der Zielgruppen.

Im Gespräch mit der örtlichen Regierung arbeitet BORDAs Regionalbüro im Irak zur Zeit einen Entwicklungsansatz aus, der Pilotprojekte für Abwasserbehandlung, Bildungsprojekte, Informations- und Wissensmanagement und professionelle Trainings umfasst. BORDAs Position als eine etablierte Entwicklungshilfsorganisation ermöglicht es in dieser Krise, eine wirkungsvolle Antwort auf der Bedürfnisse der Menschen gemeinsam mit den Akteuren vor Ort zu finden und Umzusetzen.