Dezentrales Abfallmanagement – DESWAM

Viele Armensiedlungen haben ein großes Müllproblem. Da die oft schwer erreichbaren Nachbarschaften von keinem staatlichen oder privaten Entsorger bedient werden, stapelt sich der Abfall zwischen den Häusern, verstopft Kanäle und bietet eine Brutstätte für Ungeziefer. DESWAM trägt vor Ort zu konkreten Lösungen des Abfallproblems in Armensiedlungen bei.

Das Ziel des Programms ist der Aufbau nachhaltiger dezentraler Strukturen zur Abfallsammlung und Abfallbehandlung in Wohngebieten, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung, der Kommune und dem Privatsektor.

Der Service von DESWAM bietet bedarfsorientierte, flexibel auf lokale Umweltbedingungen und Nutzergruppen abstimmbare Module, die Optionen für die Infrastruktur von Abfallbeseitigung und –recycling bieten. Diese umfassen die gesamte Spannweite von Abfalltrennung, regelmäßiger Sammlung von Haushaltsabfällen, Aufbereitung und Wiederverwertung von Ressourcen bis hin zu Müllvermeidung sowie Bildungsmaßnahmen.

Die Möglichkeit der Wahl zwischen unterschiedlichen Modulen für dieses System ermöglicht es den Gemeinden und Nutzergruppen, genau auf ihre Bedarfe angepasste Optionen für ihre dezentrale Müllbehandlung zu wählen. Dies kann beispielsweise abhängig sein von der Zahl der verfügbaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Abfallmenge, topographischen Bedingungen, Umweltkapazitäten und finanziellen Grenzen. Dieser innovative Ansatz, dezentrale Lösungen für die Abfallbehandlung zu bieten, sichert die Funktionalität, auch unter schwierigen Bedingungen.

In Indonesien werden in enger Absprache mit lokalen Regierungen Material-Aufbereitungsanlagen, sogenannte MRFs (Material Recovery Facilities), gebaut, in denen die gesammelten Abfälle der umliegenden Haushalte getrennt und weiterbehandelt werden. Bioabfälle werden kompostiert und als Dünger verwendet. Die sortierten Wertstoffe werden zu marktüblichen Preisen an Recyclingbetriebe verkauft. Restabfälle werden ordnungsgemäß auf offiziellen Deponien entsorgt.

In Tansania hat BORDA eine Reihe weiterer Modelle zur Abfallbewältigung entwickelt. Denn für den Bau von MRF-Anlagen ist viel Platz erforderlich, der in Armensiedlungen Tansanias häufig knapp ist. Daher stellen hier MRFs neben Kompostieranlagen, Recycling Depots und Sortieranlagen nur eine von insgesamt vier Optionen dar. Kompostieranlagen verarbeiten ausschließlich organische Abfälle und kompostieren diese zu nährstoffreicher Erde. Recycling Depots kaufen Wertstoffe wie Plastik und Glas auf und verkaufen diese weiter an die Recyclingindustrie. In Sortieranlagen werden gemischte Abfälle in unterschiedliche Kategorien getrennt, aber selbst nicht weiterverarbeitet. Durch die Spezialisierung können auch auf begrenzten Flächen wirtschaftlich eigenständige Betriebe aufgebaut werden.

Generell werden durch die Sammlung, Sortierung und das Recycling von Haushaltsabfällen Nährstoff- und Wertstoffkreisläufe geschlossen und so die Abfallmenge insgesamt reduziert.

Zusätzlich werden durch die aerobe Kompostierung organischer Abfälle Treibhausgasemissionen reduziert und so dem Klimawandel entgegengewirkt. Betrieben werden DESWAM-Anlagen von Organisationen, die aus den Nutzergemeinschaften hervorgehen und im Rahmen der Projekte gegründet werden »community based organisations«. In Tansania erfolgt der Betrieb teilweise auch durch private Dienstleister. Von BORDA und ihren Partnern werden die Anlagenbetreiber durch Wissenstransfer unterstützt. Neben dem Verkauf der Komposterde und der Wertstoffe wird der Betrieb der Anlagen durch monatliche Abgaben der teilnehmenden Haushalte finanziert. Auf diese Weise trägt DESWAM nicht nur zu einer sauberen Umwelt und dem Gesundheitsschutz der Menschen bei, sondern sichert auch Arbeitsplätze und stärkt die Entwicklung vor Ort.

Klimaschutz durch dezentrale Kompostierung

Zusammen mit der deutschen Klimaschutzorganisation atmosfair hat BORDA 2014 in Indonesien die Zertifizierung nach dem CDM-Gold-Standard erreicht: Die aerobe Kompostierung von organischem Hausmüll sowie die Reduzierung der Müllmenge zielt auch auf die Vermeidung von klimaschädlichem Methanausstoß. In einem aktuellen Projekt kompensieren 15 Recyclinghöfe den Ausstoß von 5.000 t CO2-Äquivalenten pro Jahr.

Zur nächsten Lösung: Forschung und Entwicklung