Dezentrale Klärsysteme (DEWATS)

DEWATS steht für »Dezentralized Wastewater Treatment Solutions« und ist eine dezentrale Lösung zur Abwasserbehandlung. Anders als in Europa und Nordamerika, wo urbane Gebiete zu 95 % mit konventionellen und zentralen Systemen ausgestattet sind, können DEWATS-Anlagen vor allem eng besiedelte urbane aber auch ländliche Gebiete mit einer ausreichenden Abwasserbehandlung versorgen. In vielen Ländern ist die Abwasserbehandlung noch mehr als unzureichend oder nicht vorhanden, über 80% der Abwässer weltweit werden nicht gereinigt, bevor sie in die Natur geleitet werden. Der Bau eines Kanalnetzes gestaltet sich aus Kostengründen, aber auch häufig aufgrund der Bedingungen vor Ort als schwierig.

DEWATS-Anlagen bieten gute Lösungen, um im Abwasser insbesondere die organische Belastung zu reduzieren, die für Mensch und Umwelt das größte Problem darstellt.

Durch die einfache Wartung, die geringen Bau- und Instandhaltungskosten sowie die Unabhängigkeit von städtischer Infrastruktur eignet sich DEWATS ideal für urbane und peri-urbane Armensiedlungen, Schulen, Krankenhäuser und kleine Betriebe mit organischen Abwässern.

Die vom BORDA Netzwerk verbreitete DEWATS-Technologie hat sich seit vielen Jahren in Asien und Afrika bewährt und konnte so zu einem festen Bestandteil mehrerer staatlicher Sanitär-Programme werden.

Die DEWATS-Technologie

Eine DEWATS-Anlage umfasst kein feststehendes System, sondern kann je nach Anforderungen an die Reinigung durch Erweiterung mit unterschiedlichen Modulen angepasst werden. So sind die Ansprüche an die Abwasserbehandlungen beispielsweise im kommunalen Bereich geringer als an Abwasser aus Krankenhäusern. Ein weiterer Vorteil dezentraler Anlagen ist, dass durch die Einfachheit der Systeme einerseits die Bevölkerung vor Ort an Bau und Wartung beteiligt werden kann, anderseits fast ausschließlich lokale Materialien verbaut werden können.

Das Herzstück jeder DEWATS-Anlage ist der sauerstoffunabhängige Reaktor, der »Anaerobic Baffled Reactor (ABR)«, der anders als in zentralen Abwasserbehandlungsanlagen das Abwasser durch anaerobe Prozesse reinigt. Dabei wird kein freier Sauerstoff zum Abbau der organischen Substanzen benötigt. Der Klärschlamm kann kompostiert und als Dünger verwendet werden. Auch das gereinigte Abwasser selbst, das häufig noch mit Nährstoffen angereichert ist, kann zum Bewässern und Düngen in der Landwirtschaft verwendet werden. Durch die Wiederverwendung der aus der Abwasserbehandlung entstandenen Ressourcen können zusätzlich Wasser- und Stoffkreisläufe geschlossen werden.

Die typischen DEWATS-Anlagen kombinieren unterschiedliche Ansätze in der Abwasserbehandlung:

Eine Erstbehandlung erfolgt durch Absetzbecken, Klärgruben oder Biogasanlagen. Die Zweitbehandlung findet in den oben genannten Baffled Reactors statt, während die dritte Behandlung aerob verläuft, durch einen horizontalen Kiesfilter. Die Nachbehandlung erfolgt im Reinigungsbecken.

Ein Qualitätsmanagementsystem, Monitoring und Evaluation, sogenanntes In-house-Management, Gesundheits- und Hygieneschulungen und die Evaluation der Auswirkungen auf die Gesundheit sind Teil des Service-Paketes.

Mehr Informationen finden Sie bei den Downloads.

Klärschlamm-Management

Faecal Sludge Management (FSM)
17 % der Weltbevölkerung haben gar keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen. Wer etwas privilegierter ist und Zugang zu simplen sanitären Einrichtungen hat, ist zumeist Besitzerin oder Besitzer eines Plumpsklos, dem dezentralen »Abwassersystem« mit der weitesten Verbreitung weltweit.

Besonders im urbanen Siedlungsraum erzeugt das Fehlen von Abwassermanagement Probleme, die die Gesundheit der Bevölkerung gefährden und die Umwelt verschmutzen. Es gibt zu wenig Platz für neue Toiletten, die viel genutzten Toiletten laufen über und informelle Entleerungsdienstleister entsorgen den fäkalen Inhalt ungeschützt in der Umgebung wie etwa den nächsten Fluss.

Klärschlamm-Management oder FSM ist ein multidisziplinärer Ansatz, um Lösungen für dieses Problem zu entwickeln. Es geht hierbei zum einen um die technische Komponente zur Entwicklung von angepassten Entnahme-, Transport, Behandlungs- und Recyclingtechniken. Zum anderen ist die Integration eines Geschäftsmodells ein essentieller Bestandteil des Konzepts. Ziel des Modells ist es, Aufgaben wie die Wartung, die Instandhaltung der Anlage und Werkzeuge einzubeziehen und über den Betrieb der Anlage und des Entleerungsservices nachhaltig Einkommen zu generieren. Diese Systeme sollen in Ihrer Form replizierbar und für weitere Standorte anpassbar sein. In Afrika kooperiert BORDA mit WSUP (Water and Sanitation for the Urban Poor) und implementiert global einzigartige FSM Pilot-Systeme in Sambia, Mosambik und Madagaskar. In Indien werden, gefördert von der Bill and Melinda Gates Foundation, Akteure aus Verwaltung und Privatsektor beim stadtweiten Klärschlammmanagement unterstützt.

 

Biogas

Biogas kann aus Haushaltsabwässern, aus Fäkalien, aus organischen Abwässern von Betrieben (wie etwa der Tofu-Produktion) oder aus den Abfällen der Tierhaltung und Schlachtbetrieben gewonnen werden.

Eine Biogas-Anlage wird oft gemeinsam mit einer DEWATS-Anlage installiert und nutzt das Abwasser zur Erzeugung von Methangas. Das so gewonnene Biogas kann zum Kochen oder für Lampen genutzt werden. Dadurch können die Kosten für Gaskartuschen, Brennholz oder Strom gespart und kleine Nebengeschäfte betrieben werden, wie etwa ein Catering-Service oder ein kleines Restaurant. Die Nutzung von erneuerbaren Energien wie Biogas anstelle von Brennholz oder anderen klimaschädlichen Energiequellen schonen das Klima und die Umwelt. Besonders für arme Familien und Schulküchen bedeutet die Nutzung von Biogas eine erhebliche Kostenersparnis im Alltag. BORDA ist Vorreiter in der Umsetzung und Verbreitung solcher Konzepte seit den 1970er Jahren.

Darüber hinaus arbeitet BORDA in Mali daran, Biogas im ländlichen Raum für den Antrieb von Sterling Motoren nutzbar zu machen.

Saubere Produktion

In Ländern wie Indonesien oder den Philippinen arbeitet BORDA mit kleinen Unternehmen in Armensiedlungen und lokalen Regierungen zusammen, um Abwässer aus Produktionen zu reinigen und Biogas zu produzieren. Viele kleine und mittlere Unternehmen leiten ihre Abwässer ungereinigt in die Umwelt und sind dadurch von der Schließung bedroht. Durch die Abwasserreinigung können Arbeitsplätze erhalten, die Umwelt geschützt und das gewonnene Biogas als eine nachhaltige Energiequelle genutzt werden. Produktionen, die erfolgreich mit DEWATS-Lösungen arbeiten sind beispielsweise Schlachthöfe oder Nudel-und Tofu Produktionen.

 

Saubere Krankenhäuser

Viele Krankenhäuser in BORDAs Partnerländern haben keine Abwasserreinigung und leiten alle Abwässer direkt in die Umwelt. Somit stellen sie eine große Gefahr für die Gesundheit der Menschen vor Ort dar, die in Kontakt mit kontaminiertem Wasser kommen.

Mit DEWATS-Anlagen können die Abwässer aus Krankenhäusern gereinigt werden. Zudem kann das Biogas zur Kostensenkung im Krankenhaus genutzt werden, etwa für die Kantine oder um Wasser zu erhitzen und damit Brauchwasser oder Geräte zu desinfizieren.

 

Saubere Siedlungen

Eine eigene Toilette zu haben ist für viele Menschen echter Luxus. Besonders in Asien und Afrika haben viele Menschen keinen Zugang zu sanitärer Grundversorgung, weltweit haben 2,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu verbesserter sanitärer Infrastruktur.

Viele Armensiedlungen in Städten sind nicht an zentrale Abwassersysteme angeschlossen, Abwässer fließen direkt in umliegende Gewässer oder in das Grundwasser und stellen eine große Gefahr für die Menschen und die Umwelt dar. Die Bewohner vor Ort leiden unter den schlechten hygienischen Verhältnissen, besonders für Frauen und Kinder ist das Fehlen von sanitärer Grundversorgung ein großes Problem im Alltag. Mit dem Bau von Toiletten, Waschplätzen und DEWATS-Anlagen verbessert BORDA die Situation der Menschen in städtischen Armensiedlungen, da sanitäre Infrastruktur bereitgestellt und Abwässer gesammelt und gereinigt werden. So werden Nachbarschaften sauberer und gesünder, die Lebensqualität armer Bevölkerungsgruppen steigt.

Saubere Schulen

In vielen Ländern haben Schulen nur sehr schlechte oder gar keine Toiletten für Schülerinnen und Schüler. Gerade Mädchen brechen nicht selten die Schule ab, wenn sie keinen Zugang zu sicheren Schultoiletten haben. BORDA und die Partner arbeiten mit Schulen in Afghanistan, Indonesien, Laos, Kambodscha, Tansania, Sambia, Lesotho und Südafrika zusammen, um die Situation für die Kinder zu verbessern. Unsere Lösung für Schulen hat mehrere Komponenten:

  • eine technische Komponente mit dem Bau von kindgerechten Toiletten, Biogasanlagen, um Energie zum Kochen für die Schulküchen zu gewinnen und einer dezentralen Kläranlage (DEWATS) zur Reinigung der Abwässer.
  • eine soziale Komponente mit Aufklärung und Hygiene-Unterricht für Schülerinnen und Schüler und dem Lehrpersonal, denn schon regelmäßiges Händewaschen mit Seife kann viele Krankheiten bei Kindern verhindern.
  • Aufbau von Schul-internen Managementstrukturen für die Wartung der Anlagen und die Hygiene-Aufklärung der Kinder im Unterricht.

Schule darf nicht krank machen. Aber um Schulen mit Toiletten und einer DEWATS-Anlage auszustatten und die Kinder und Lehrenden über Gesundheitsvorsorge aufzuklären, ist Geld nötig. Daher sind Spenden, um die Situation von Schulen in Armensiedlungen verbessern zu können, willkommen.

Sanitäre Grundversorgung in der humanitären Not- und Übergangshilfe

Die Frage, was eigentlich mit Abwasser und Fäkalschlamm passiert, stellt sich nicht nur in der Entwicklungszusammenarbeit, sondern auch in Notsituationen wie etwa in Flüchtlingslagern. BORDA bringt Kenntnisse und Erfahrungen aus dem Bereich der sanitären Grundversorgung zunehmend auch in der humanitären Not- und Übergangshilfe ein. Zwar bestehen grundlegende Unterschiede zwischen den auf Nachhaltigkeit und Langfristigkeit ausgelegten Projekten der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Nothilfe, in der es um eine unmittelbare Rettung von Leben in einer Notsituation geht. Humanitäre Nothilfe wird generell über eine kürzere Zeit geleistet und begrenzt sich auf direkt von der Notlage betroffene Gebiete, dabei geht es vorrangig darum, das Leiden der betroffenen Menschen zu lindern in Situationen, die plötzlich auftreten – ob durch Naturkatastrophen oder menschgemacht.

Verstärkt bestehen jedoch auch »permanente« Notsituationen, wie Flüchtlingscamps, die statt ein paar Monaten über viele Jahre bestehen.

In diesen Situationen wird die Erfahrung aus langfristig angelegter Entwicklungszusammenarbeit immer wichtiger. Zentral in der Arbeit von BORDA sind hier erprobte Konzepte für sanitäre Grundversorgung mit Abwasserreinigung und der Behandlung von Fäkalschlämmen.

In engem Kontakt mit lokalen Regierungsvertretern und Organisationen der Nothilfe bietet BORDA Trainingsprogramme und DEWATS Systeme, die eine breite Spannweite an Modulen für die unterschiedlichsten Bedürfnisse abdecken und auch unter schwierigen Bedingungen eingesetzt werden können. BORDA hat sich dabei bereits in unterschiedlichen Gebieten in der humanitären Grundversorgung eingesetzt, unter anderen in Indonesien und Indien. Aktuell arbeitet BORDA in Sonderinitiativen in Mali und dem Nordirak.

Gesundheitswirkungs-Evaluierung (HIE)

BORDAs Ziel ist die Verbesserung der Lebenssituation benachteiligter Bevölkerungsgruppen. Aber woran kann man die Verbesserung einer Lebenssituation messen?

Lange war es in der Entwicklungszusammenarbeit üblich, Projekte auf Leistungsbasis zu überwachen und zu evaluieren, beispielsweise durch das Zählen der gebauten Toiletten. Allerdings gibt allein das Zählen keinen Aufschluss darüber, ob die Toiletten auch genutzt werden und ob sich durch den Bau auch das Leben der Nutzerinnen und Nutzer verbessert hat.

Daher fragt BORDA in der Health Impact Evaluation, ob die Nutzerinnen und Nutzer mit dem Projekt zufrieden sind und ob die Sauberkeit in der Gemeinde zu- und die Häufigkeit von Krankheiten abgenommen hat. Mit diesen und vielen weiteren Fragen kann sich BORDA darüber informieren, wie sich die Projekte auf die Gesundheit und sozio-ökonomische Entwicklung der Menschen auswirken.

Download Booklet HIE B3

Infrastrukturplanung für urbane Siedlungen

Um die Sanitärinfrastruktur einer Stadt umfassend und nachhaltig planen und ausbauen zu können, bedarf es geografischer Informationen über das Vorhandensein von Ver- und Entsorgungsinfrastruktur. Nur so können Abwasser- und Abfallsysteme optimal an die Bedürfnisse der Menschen angepasst werden. Das Kartieren von Städten oder Stadtteilen geschieht mithilfe spezieller Geoinformationssysteme und umfasst die Ermittlung sowohl von bestehenden Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungssystemen als auch der Versorgungs- und Entsorgungsmuster der Bevölkerung. Aspekte des Verbrauchs, der Besiedlung und der Landnutzung sind weitere Themen, die in die Kartierung einfließen. In Indien, Indonesien und Tansania werden Spezialisten beschäftigt, die in enger Kooperation mit örtlichen Behörden an dieser wichtigen und anspruchsvollen Aufgabe arbeiten.

Dezentrale Wasserversorgung

In Bergregionen ist die Wasserversorgung oft problematisch. Elektrizität für elektrisch betriebene Wasserpumpen gibt es nicht. Vor allem Frauen und Mädchen müssen täglich weite und beschwerliche Wege zu den Wasserquellen zurücklegen, um Wasser für Haushalt und Landwirtschaft zu holen.Durchschnittlich legen Frauen und Kinder weltweit 10 – 15 km pro Tag für die Wasserversorgung zurück und transportieren dabei bis zu 15 kg pro Weg.

Fehlt es zudem auch an regelmäßigem und ergiebigem Niederschlag, ist die Ernte der dort lebenden Menschen bedroht und somit auch ihre Nahrungsgrundlage und Einnahmequelle.

Um eine zuverlässigere Wasserversorgung für die Bewohner von Bergregionen zu schaffen, können sogenannte »hydraulische Widder« in Flussläufen installiert werden. Der hydraulische Widder ist ein wassergetriebener Stoßheber, der anhand der kinetischen Energie (Bewegungsenergie) eines Flusses betrieben wird. Fossile Energien zur Wasserversorgung sind nicht notwendig. Höhenunterschiede von über 100m können mit einem solchen Stoßheber überwunden werden und sichern eine kontinuierliche Wasserversorgung in Bergregionen. In Abhängigkeit vom Flussverlauf, der Größe der Pumpe, der Durchflussmenge und der zu überwindenden Höhe können täglich zwischen 3.000 und 45.000 Liter Wasser gefördert werden. Der hydraulische Widder ist quasi wartungsfrei und bedarf keiner aufwendigen, professionellen Betreuung.

In China und Nordindien hat BORDA erfolgreich über 600 hydraulische Widder installiert und damit mehr als 400.000 Menschen dezentral mit Wasser versorgt. Durchschnittlich steigerte sich der landwirtschaftliche Ertrag in den Regionen um 20 %. Die Lokalregierungen haben das Programm übernommen und in Eigeninitiative weitergeführt. Ab 2001 wurden die Technologie, das Knowhow und die Herstellung nach Vietnam transferiert. In den ersten zwei Jahren wurden über 40 Dörfer mit einer dezentralen, kontinuierlichen Wasserversorgung ausgestattet.

Dezentrale Energiegewinnung

In entlegenen Bergregionen ist ein Anschluss an Kraftwerke zur Stromerzeugung nicht möglich. Fehlende Energie für Licht, Heizung oder elektrische Werkzeuge erschwert die wirtschaftliche Weiterentwicklung einer Region.Mit kleinen Wasserturbinen kann die Lage in abgelegenen Bergregionen verbessert werden. Die kinetische Energie (Bewegungsenergie) von Flüssen wird zur Erzeugung von Elektrizität genutzt.

Wohnhäuser können so mit Licht versorgt und zusätzlich z. B. Wassermühlen, Sägen oder Butterfertiger angeschlossen werden. So erweitern sich die Beschäftigungsmöglichkeiten für die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner.

Installiert werden die Turbinen in aktiver Zusammenarbeit mit den zukünftigen Nutzerinnen und Nutzern. Eine aufwendige, professionelle Betreuung ist aufgrund des geringen Wartungsaufwands der Turbinen nicht nötig.

BORDA installierte diese Art von Wasserturbinen bereits in entlegenen Bergregionen in Indien, China und Vietnam.

Zur nächsten Lösung: Abfall